Who Am I – Kein System ist sicher

Der Außenseiter Benjamin (Tom Schilling) sieht sich selbst als Opfer des Schicksals. Seine Eltern hat er verloren, in der Schule findet er weder Freunde noch Anerkennung, er arbeitet als Pizzabote im Berlin 2014.

Zuflucht findet er im Internet, im so genannten „dark net“, wo er scheinbar Gleichgesinnte trifft und sein kann, wer immer er möchte. Durch Tipps seines Idols „MRX“ lernt er Programmiersprache und Hacken, was ihm nützlich wird, als er eine Pizza zufällig an seinen Kindheitsschwarm Marie (Hannah Herzsprung) ausliefert. Sie bittet ihn, die Prüfungsergebnisse der Uni zu besorgen. Benjamin versucht es, blind vor Liebe. Er wird zu Sozialstunden verurteilt.

Dort lernt er trotz seiner verschlossenen Art Max (Elyas M´Barek) kennen, der sein komplettes Gegenteil zu sein scheint. Er ist souverän und frech, jedoch treibt auch er sich im „dark net“ herum. Diese Gemeinsamkeit führt beide zusammen und sie gründen mit Max´ Freunden Stephan und Paul die Hackerbande „CLAY“, für „Clowns laughing at you“ und verkleiden sich entsprechend.

Zuerst stellen sie aus Spaß peinliche Videos anderer online, die sie in haarsträubenden Einsätzen aufnehmen. Später beschließen sie, ihre Anerkennung in der illegalen Hacker-Branche zu steigern, indem sie große Unternehmen hacken und manipulieren. Der Ärger fängt an, als Benjamin wichtige politische Daten an „MRX“ weitergibt, und „CLAY“ unter Mordverdacht gerät. Eine doppelte Verfolgungsjagd mit Polizei und feindlichen Hackern beginnt.

Die Laufzeit des Thrillers beträgt 106 Minuten, von denen nicht eine einzige lästig wird. Das Tempo der Handlung ist rasant, FSK 12 ist durchaus angemessen. Die Spannung wird gehalten und durch beiläufige Anstöße zu Überlegungen über Datenschutz und Psyche, auch nach dem Abspann, fortgesetzt. Auch dieser ist lohnenswert, da ihn viele bekannte Namen füllen, deren Träger für „Who am I“ exzellente Arbeit leisten.

Drehbuch und Regie führte Baran bo Odar („Das letzte Schweigen“), Hauptdarsteller ist Tom Schilling, der durch sein leicht ungesundes Aussehen gut zu der Rolle passt. Zuletzt spielte er im preisgekrönten „Oh Boy“ (2012). Keiner der Darsteller wird verschönt dargestellt, auch nicht die beiden hübschen Gesichter des Films, Elyas M´Barek („Fack ju Göhte“ 2013) und Hannah Herzsprung („Die geliebten Schwestern“ 2014), da Drogen, Schlafmangel und Stress an der Tagesordnung sind. Dadurch wirken die Figuren sehr real und lebensnah, getragen natürlich auch durch ihre schauspielerische Leistung. Weitere bekannte Namen dürften Wotan Wilke Möhring („Homevideo“) und Antoine Manot („Absolute Giganten“) sein, die die Besetzung vervollständigen.

„Who am I“ lohnt einen Kinobesuch mit aufregender Geschichte, erfahrenen Schauspielern und einigen neuen Ideen. Kinostart war der 25. September 2014.

Simone Osterwald

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