Weihnachten in Schweden

Weihnachten ist eines der zwei Feste, die wir Schweden am meisten feiern. Die andere Feier ist Mittsommer, ein halbes Jahr später. Spät im November fangen wir an, unsere Häuser weihnachtlich zu schmücken, und nehmen den Leuchter hervor. Wenn die vierte Kerze angemacht ist, ist es Zeit, den Tannenbaum hereinzuholen, aber davor gibt es noch andere Dinge zu tun.

Zum Beispiel gucken wir uns den Weihnachtskalender an. Jedes Jahr im Dezember werden eine Fernseh- und eine Rundfunkserie gesendet. Jeden Tag gibt es einen neuen Abschnitt und dies setzt sich so bis zum  Weihnachtsabend fort. Man fühlt wirklich, wie Weihnachten mit jedem Abschnitt näher kommt. Tatsächlich ist der Weihnachtskalender für Kinder gedacht, aber auch Erwachsene mögen es, ihn anzugucken. Dieses Jahr senden sie „Piratskattens hemlighet“ (Geheimnis des Piratenschatzes) im Fernsehen und „High Tower“ auf Rundfunk.

Am dreizehnten Dezember feiern wir Lucia(lussen) mit einer Luciaprozession. Diejenigen, die in der Prozession sind, kleiden sich wie Weihnachtsmänner, Pfefferkuchenleute oder wie in weiß gekleidete Jungfrauen und Sternsinger und singen Weihnachtslieder.  Morgens haben wir eine Direktsendung aus der Oscar-Fredriks-Kirche in Gothenburg, wo die größte Luciaprozession stattfindet. In Kindergärten und Schulen ist es häufig so, dass es eine zweite Luciaprozession gibt. In meiner Heimatstadt Luleå veranstalten die Schüler des ästhetischen Programms auf dem Gymnasium jedes Jahr eine Luciaprozession für die anderen Schüler.

Die Weihnachtsfeier haben wir am 24. und obwohl wir den 25. und den 26. frei haben, feiern wir nur den ersten Tag ordentlich. Nachmittags versammeln wir uns bei Gästen, mit denen wir feiern wollen. Um 3 Uhr zeigt SVT „Kalle Ankas Weihnachtsabend“ und das Programm anzusehen, ist  ein Symbol der schwedischen Weihnacht geworden. Das Programm ist fast jedes Jahr das Gleiche, aber trotzdem sehen wir es. Alle Traditionen kann man nicht erklären.

Wenn Jiminy Grille „Wenn ein Stern in finstrer Nacht” fertig gesungen hat, essen wir das Weihnachtsessen. Kalter Aufschnitt, eingelegter Hering und Jansons Versuchung (Anchovisauflauf) sind einige der Sachen, die es gibt. Selbstverständlich haben wir auch Köttbullar. Danach essen wir Nüsse und Sahnebonbons und trinken Glühwein, während die Weihnachtsgeschenke verteilt werden. Der Weihnachtsmann kommt manchmal, um die Geschenke selbst zu verteilen, aber am häufigsten sind die Geschenke unter dem Tannenbaum, in Erwartung auf die Verteilung.

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr (gibt’s hierfür keinen deutschen Namen?) essen wir die Reste und zum Neujahr haben wir die letzten Köttbullar aufgegessen  und den letzten Weihnachtssaft ausgetrunken. Aber Weihnachten endet  tatsächlich nicht vor Knut (letzter Tag der Weihnachtszeit). An diesem 13. Januar ist es endlich Zeit, den Baum, der nun die meisten seiner Nadeln verloren hat, wegzuwerfen. Wir pflücken den Schmuck ab und werfen den Baum vom Balkon oder, falls es keinen Balkon gibt, durch das Fenster. Manche von euch haben vielleicht die Ikea-Werbung gesehen, wo Bäume aus den Häusern fliegen. Ungefähr so ist es.

 

Von Egil

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