Warum man manchmal das Buch lesen -und nicht nur den Film gucken- sollte

Warum man manchmal das Buch lesen -und nicht nur den Film gucken- sollte

„Vielleicht lieber morgen“, so der Titel des Films, während der das Buch seltsamerweise „Das ist also mein Leben“ heißt. Nicht zum ersten Mal frage ich mich an dieser Stelle, wer zum Teufel auf die brillante Idee gekommen ist, den bereits ins Deutsche übersetzten Titel noch ein weiteres Mal zu verändern (der eng. Originaltitel des Buches und des Filmes ist „The perks of being a wallflower“, nebenbei bemerkt mal wieder um einiges origineller als die deutsche Variante). Aber genug gemeckert, nun zur Handlung: Charlie ist anders, er ist ein Mauerblümchen, das sich ganz und gar von seinen Mitschülern unterscheidet. Er gehört nicht dazu und findet anfangs weder Anschluss, noch Freunde als Frischling in seinem ersten Jahr an der High School. Doch er ist nicht der einzige, der anders ist. Er trifft die Halbgeschwister Sam und Patrick und damit endlich Freunde, mit denen er seine Jugend genießen kann. Er macht die essentiellen Erfahrungen eines jeden Teenagers. Die ersten Partys, der erste Kuss und die erste große Liebe, die nicht nur viel Aufregung und Euphorie, sondern auch Trauer und bittere Enttäuschung mit sich bringt.

Der Autor des Buches, Stephen Chbosky, der ebenfalls bei der Verfilmung Regie geführt hat, hat ein wahres Meisterwerk eines Coming-of-Age-Romans (und -Films!) kreiert. Seite für Seite durchlebt man völlig hingerissen Charlies Achterbahn der Emotionen und kann sich nicht nur einmal in eben die Situation hineinversetzen, die man vielleicht erst letzten Sommer auch erlebt hat. Das Buch ist weder langweilig, noch zieht es sich an Stellen in die Länge, ganz im Gegenteil, man will es einfach nicht aus der Hand legen.

Ich persönlich hatte sogar zuerst den Film gesehen und dann erst das Buch gelesen, was erfahrungsgemäß eine teuflische Reihenfolge bildet und ein quälend langweiliges Leseerlebnis verspricht. Glücklicherweise haben mich meine bisherigen Erfahrungen getäuscht. Es liest sich dennoch so leicht und schön, wie der Film anzusehen ist und man kann sich bei der letzten Seite nur schweren Herzens mit der Tatsache abfinden, dass das Buch vorbei ist.

Völlig paradox, wenn man an die zugegebenermaßen oft vorkommenden Situationen zurückdenkt, in welchen man sich nur danach sehnt, dass sich die Schullektüre endlich dem Ende neigt. Ich lege also allen diesen unglaublich tollen Roman -mein persönliches Lieblingsbuch- ans Herz.

Doch auch diejenigen, die der Spezies „Bücher-sind-was-für-Streber-ich-guck-lieber-den-Film“ angehören, werden von dem relativ unbekannten Streifen nicht enttäuscht. Mit „Vielleicht lieber Morgen“ hat Stephen Chbosky einen Film geschaffen, wie ich ihn liebe. Einfühlsam, menschenliebend und voller tragischer Komik ist dieser Film ein ganz besonderes Portrait über das Leben eines ganz besonderen Teenagers. Er weiß vor allem die im Film dargestellte Altersgruppe wirklich zu berühren und bringt so manch einen durch die tiefgründigen Zitate zum Nachdenken.

„Vielleicht lieber morgen“ ist ein Film zum Lachen und zum Weinen, mit fantastisch besetzten Hauptcharakteren. Charlie wird von Logan Lerman („Percy Jackson“) gespielt und die Geschwister Sam und Patrick von Emma Watson (Hermine Granger) und Ezra Miller. Die Chemie zwischen den dreien stimmt so gut, wie man es eigentlich nur von erfahrenen Schauspielern gewohnt ist und sie verkörpern ihre Rollen mit solch einer Leichtigkeit und Authentizität, dass man fast schon das Gefühl hat, eine versteckte Kamera hätte sie begleitet. Zum krönenden Abschluss meiner Schwärmerei wurde der Film mit DEM perfekten Soundtrack untermalt, auf jede Szene wurde der perfekte Song abgestimmt, was den Effekt der perfekten Atmosphäre zur Folge hat.

Auch wenn ich von bisher fast allen Buchverfilmungen bitter enttäuscht wurde, war es hier ganz und gar nicht der Fall. Ich rate ganz klar dazu, sich den Film anzuschauen, jedoch trotzdem zunächst das Buch zu lesen (es hat nur 232 Seiten!!!). Denn logischerweise werden im Buch die

Nebencharaktere -wie Charlies Familie- viel näher beschrieben, was ein noch klareres Gesamtbild erstellt und es scheint mir, als würde man den Film auf eine noch intensivere Weise genießen können, wenn man das Buch zuvor gelesen hat.

„Das ist also mein Leben“, ein Buch und „Vielleicht lieber morgen“, ein Film, welche man gewiss nicht auf morgen schieben sollte. Am besten vielleicht lieber heute noch.

 

 


 

 

Viki Szczypior

 

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