Walpurgisnacht & 1. Mai

Erst Hexentanz, dann Steine schmeißen? Das war einmal…

Am 30. Februar fliegen die Hexen auf ihren Besen zum Blocksberg (besser bekannt als Brocken im Harz) und tanzen in den 1. Mai hinein, dabei lassen sie sich mit dem Teufel vermählen und erlangen so die Fähigkeit der Hexerei.

So sagen es die Legenden aus früheren Jahrhunderten, doch was steckt tatsächlich hinter dem Mythos „Walpurgisnacht“?

Der Name des Festes lässt sich von dem Gedenktag der heiligen Walburga ableiten. Sie war eine Missionarin und Äbtissin und verbreitete ihren christlichen Glauben in ihrem Heimatland England und wurde dadurch zu einer noch heute hochverehrten Heiligen. Die einzige Verbindung, die sich allerdings hier mit der heutigen Walpurgisnacht herstellen lässt, ist ihre Heiligsprechung in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai.

Es gibt allerdings die verschiedensten Theorien über den Ursprung der Bräuche zur „Hexen- oder Freinacht“. Die Ureinwohner des Harzes sollen zur damaligen Zeit auf dem Brocken diverse Opfer gebracht haben, um das Ende der kalten Tage zu zelebrieren und den Frühling willkommen zu heißen. Durch Verkleidungen wurden die bösen Geister vertrieben und die Hochzeit des obersten Germanengotts Wotan wurde gefeiert.

Diese Geschichte hört sich zwar noch plausibler an, doch auch davon ist bis heute nicht mehr viel übrig geblieben. Mal ganz davon abgesehen, dass höchstwahrscheinlich kaum jemand weiß, was zur Walpurgisnacht eigentlich gefeiert wird, geschweige denn, dass es ursprünglich ein christliches Fest ist, fehlen auch Historikern die hinreichenden Belege, um ein klares Statement über die Entstehung der Walpurgisnacht zu geben.

Somit braucht keiner beschämt darüber zu sein, wenn er in Berlin gemütlich auf dem Kreuzberg im Viktoriapark tanzt (auch bei Regen) und eigentlich gar nicht weiß warum. Denn sind wir mal ehrlich, heutzutage geht es doch darum, gemeinsam mit anderen Menschen die Berliner Nacht zu genießen oder während der Organize-Demo im Wedding für seine Meinung einzutreten.

Und wie die Berliner dieses Jahr bewiesen haben, hat das ja auch reibungslos und gewaltfrei funktioniert.

So wie auch auf der 1.-Mai-Demo am Abend darauf.

Zwar kam es wie bereits erwartet zu einzelnen Rangeleien am „Tag der Arbeit“, größere Ausschreitungen blieben jedoch aus. Die durch linke Gruppen organisierten „Revolutionäre[n] 1. Mai Demonstrationen“ sahen im Vergleich zu der Vergangenheit nahezu harmlos aus. Wo früher Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten in hohem Maße an der Tagesordnung standen, steht heute eher das „MyFest“, welches parallel zu der 18 Uhr Demo in Kreuzberg stattfindet, im Fokus der Öffentlichkeit, denn hier feierten dieses Jahr um die 45.000 Menschen ausgelassen an 17 Bühnen friedlich und bildeten damit einen starken Gegenpol zu den sonst eher an Gewalt erinnernden Demos am 1. Mai.

Das „MyFest“ gewann somit seit 2003, als es erstmalig als friedliches Entgegenwirken zu den Ausschreitungen am 1. Mai gefeiert wurde, stetig an Beliebtheit.

Eine beachtlich positive Entwicklung, so dass man sich schon auf das nächste Jahr freuen kann! Sind ja glücklicherweise nicht mal mehr 12 Monate.

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