Umfrage zur politischen Partizipation von Jugendlichen an der Uvh – Politikverdrossene Jugend?

Dass sich Jugendliche immer weniger mit der traditionellen parlamentarischen Politik und der konventionellen Art der Partizipation identifizieren können ist keine neu gewonnene Erkenntnis. Der Rückgang der Wahlbeteiligung und der Anzahl der Mitglieder in Parteien und Jugendorganisationen ist bereits seit mehreren Jahren zu verzeichnen. Dennoch scheint es, als hätten sich noch nie zuvor so viele Menschen in der Jugendarbeit, in Verbänden und in der Politik Gedanken darüber gemacht, wie die politische Mitwirkung der jungen Generation intensiviert werden kann und worin die Ursachen der angeblichen Politikverdrossenheit von Jugendlichen bestehen. Anhand einer Umfrage, welche in mehreren Unterrichtsstunden konzipiert wurde, wollte sich auch der Grundkurs Politikwissenschaften aus dem 2. Semester einen besseren Überblick über das politische Verhalten von Jugendlichen verschaffen und den Ursachen auf den Grund gehen. Befragt wurden ausschließlich Schüler und Schülerinnen des Ulrich von Hutten Gymnasiums im Alter von 15-20 (Klassen 10-12). Insgesamt haben 291 Schüler/innen teilgenommen, davon 158 Jungs und 133 Mädchen, der größte Anteil dieser Schüler mit 27% waren 16-Jährige. Doch bei der Umfrage galt das Interesse nicht nur den reinen Zahlen, sondern auch den Hintergründen. So wurde versucht, möglichst sinnvolle und gehaltvolle Verknüpfungen innerhalb der Fragen herzustellen und dann zu untersuchen.

Zunächst wurden persönliche Fragen gestellt, welche Geschlecht, Alter, Klassenstufe, Staatsbürgerschaft, Freizeit, sowie Bildungsgrad und politische Partizipation der Eltern umfassten. Mittels dieser Abfrage wurde untersucht, inwieweit das politische Engagement der jungen Menschen durch diese Indikatoren beeinflusst wird.

 

Nun zu den Ergebnissen:

Wie hoch liegt die Beteiligung von UvH-Schülern und Schülerinnen?

→ Von 291 Schülern/Schülerinnen gaben lediglich ca. 17% an, sich politisch zu beteiligen. 22% beteiligen sich „selten“ und ganze 65% kreuzten die Frage, ob sie politisch partizipieren mit „nein“ an.

Wie schätzen die Schüler/innen die aktuelle politische Lage ein?

→ Es wird deutlich, dass sich der höchste Wert im mittleren Bereich bewegt, also dass die Schüler weder wirklich zufrieden, noch komplett unzufrieden mit der aktuellen politischen Situation sind. Auffällig ist dennoch, dass Schüler, wenn auch nur minimal eher zu zufrieden als zu unzufrieden tendieren.

Wie schätzen Schüler/innen die Wirksamkeit eines möglichen politischen Engagements ein?

→ Über die Hälfte hat das Gefühl durch politische Partizipation nichts bis gar nichts verändern zu können, lediglich 16% kann sich vorstellen, dass ihr Engagement etwas bewirken kann.

Wie schätzen die Schüler/innen die Vorbereitungsleistung der Schule ein?

→ Der Großteil der Befragten ordnet die politische Vorbereitung durch die Schule im mittleren Bereich ein, jedoch ist lediglich ein Unterschied von 1% zur „schlechten“ Vorbereitung zu verzeichnen. Nur 3% der befragten Schülerschaft empfindet die Vorbereitung als sehr gut.

Wie schätzen die Schüler/innen die Vorbereitungsleistung der Eltern ein?

→ Auch jene Frage betreffend, setzten die meisten Schüler/innen ihr Kreuz im mittleren Bereich. Dennoch ist auffällig, dass sich im Vergleich zur Vorbereitungsleistung der Schule, ein deutlich größerer Anteil von ihren Eltern sehr gut bzw. gut vorbereitet fühlt.

Die Schüler/innen fühlen sich demnach besser durch ihre Eltern vorbereitet, als durch die Schule.

 

Ein Auszug aus den Ergebnissen der Verknüpfungen innerhalb der verschiedenen Faktoren :

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Partizipation und der Einschätzung, wie gut die Eltern einen auf die Partizipation vorbreitet haben?

Hypothese: Die nicht ausreichende Vorbereitung durch die Eltern beeinflusst das politische Verhalten ihrer Kinder sehr negativ.

à Die Verknüpfung der beiden Aspekte ergab, dass Schüler/innen, die ihre Vorbereitung gut bis sehr gut einschätzen, sich verhältnismäßig mehr beteiligen, als Schüler/innen, die ihre Vorbereitung als schlecht empfinden.

Somit kann die Hypothese bestätigt werden, denn mittels unserer Untersuchung kann man annehmen, dass die mangelnden bzw. nicht ausreichende Vorbereitung durch die Eltern in jedem Fall ein Aspekt ist, welcher zu den Ursachen für die geringe politische Beteiligung von Schülern gezählt werden kann.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Belegen eines PW-Kurses…

  • …und der Einschätzung der Vorbereitung durch die Schule auf das politische Leben?

→ Schüler/innen, die einen PW-Kurs belegen fühlen sich verhältnismäßig besser durch die Schule vorbereitet, als Schüler/innen, die keinen Kurs belegen.

Interpretation: Man kann vermuten, PW-Kurs-Beleger beschäftigen sich mehr und intensiver mit Politik und verfügen so über mehr Wissen.

  • …und der Vorbereitung durch die Eltern auf das politische Leben?

→ Schüler/innen, die einen PW-Kurs belegen fühlen sich verhältnismäßig besser durch ihre Eltern vorbereitet, als Schüler/innen, die keinen Kurs belegen.

Interpretation: Man kann annehmen, dass politisches Interesse von den Eltern an die Kinder weitergegeben wird und gemeinsam über aktuelle Geschehene und Unterrichtsinhalte gesprochen wird.

  • …und der Einschätzung der Wirksamkeit eines politischen Engagements?

→ Schüler/innen sehen die Möglichkeit, etwas zu verändern noch pessimistischer als diejenigen, die keinen PW-Kurs belegen.

Interpretation: PW-Kurs-Beleger sehen die Lage realistischer, ihnen ist bewusst, dass ihre Stimme nur ein sehr kleiner Bruchteil des großen Ganzen ist.

 

 

Summa summarum ist festzuhalten, dass mittels der Umfrage festgestellt wurde, dass die Eltern und die Schule einen deutlichen Einfluss auf die Einstellung des einzelnen Schülers gegenüber der Politik haben.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie sich durch die Schule nicht genügend auf die Politik vorbereitet fühle. Um diesem Problem entgegenzuwirken bedarf es komplexer Umstrukturierung. Auf der einen Seite sollte politische Bildung bereits früher in die schulische Laufbahn integriert werden. Dementsprechend sollte ein neuer Lehrplan konzipiert werden, sodass schon in den Klassen 7-10 politische Themen behandelt werden, zudem sollten PW-Kurse in der Oberstufe als obligatorisch gelten. Auf der anderen Seite müsste das politische Interesse der jungen Generation mittels jugendspezifischer themengeweckt werden.

Insgesamt ist das Ergebnis erschreckend negativ ausgefallen, denn die Anzahl der Schüler, die sich politikinteressiert zeigt ist sehr gering. Man kann annehmen, dass sich die Jugendlichen wahrscheinlich politisch zu wenig gefordert fühlen und dass sie ihre Stimme als unbedeutend empfinden.

Basierend auf diesen Ergebnissen sollte die Attraktivität der Politik für die Jugend durch neue Partizipationsmöglichkeiten beispielsweise in Form von Volksentscheiden und durch ansprechende Werbekampagnen gesteigert werden. Man muss den jungen Menschen das Gefühl vermitteln, dass jede Art von Engagement etwas bewirken kann.

Denn gegen die Tatsache, dass Jugendliche eine fast schon apathische Haltung gegenüber der Politik aufweisen sollte dringend etwas getan werden.

Wenn man sich folgendes Zitat von Hildegard Hamm-Brücher vor Augen führt: „Durch Ruhe und Ordnung kann die Demokratie ebenso gefährdet werden wie durch Unruhe und Unordnung.“, erscheint einem das Ergebnis unserer Umfrage und der allgemein zu verzeichnende Schwund der Wahlbeteiligung und Parteimitgliedschaften der jungen Generation wirklich besorgniserregend, da sie sich negativ auf die Legitimität des demokratischen Systems auswirkt. Denn eben jene junge Generation macht die politische Zukunft von morgen aus. Die Demokratie, welche glücklicherweise in Deutschland vorherrscht, basiert auf der Partizipation des Volkes, dementsprechend kann die mangelnde politische Beteiligung ebenso gefährlich für das demokratische Herrschaftssystem sein, wie dessen Feinde.

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