S-Bahn-Streik

Es war schon hinterhältig von der S-Bahn. Anfang November, als es gerade anfing kalt zu werden und niemand besondere Lust verspürte, lange auf Bahnsteigen zu verweilen, fuhr plötzlich ein großer Teil der Züge nicht mehr. Es hieß: „Lokführerstreik“. Für die Berliner, die gewöhnlich jeden Tag auf den Schienen unterwegs sind, krempelte dies die gesamte Tagesplanung um. Nicht nur, dass man verlängerte Wartezeit einrechnen musste, teilweise fielen ganze Linien einfach weg und man hatte sich nach Alternativen umzusehen. Die S-Bahn veröffentlichte auf ihrer Internetseite eine Übersicht. Doch damit nicht genug, auch im Regionalverkehr kam es zu Verzögerungen und noch häufiger Ausfällen. Gerade hatten die Herbstferien begonnen, nicht Wenige freuten sich auf ein paar entspannte Tage außerhalb der gewohnten vier Wände und hatten sich für den Weg dorthin das Transportmittel Bahn ausgewählt. Aber diese fuhr nicht. An dieser Stelle kann ich aus meiner eigenen Erfahrung berichten, wie schlecht es sich anfühlte, einen Abend vor der geplanten Abreise noch nicht zu wissen, wo man die nächste Nacht verbringen würde. Im eigenen Bett? Am Ziel? Auf einem Bahnsteig? Wir hatten letztlich das Glück, einen Ersatzzug zu bekommen, aber wie ist es jenen ergangen, die das nicht von sich behaupten können. Je häufiger die Streiks werden, desto geringer ist das Verständnis in der Bevölkerung. Außerdem: Was ist eigentlich noch mal der Zweck des Ganzen? Es geht der GdL (Gewerkschaft der Lokomotivführer) darum, vereinheitlichte, verbesserte Tarifverträge für alle verschiedenen Berufsgruppen bei der Bahn durchzusetzen. Das heißt, dass die Lokführer mehr Geld verdienen, aber auch für andere Angestellte, die Arbeitsbedingungen verändert werden. In diesen Forderungen gerät die GdL jedoch mit der EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) in Konflikt, da diese die Verträge als ihren Kompetenzbereich versteht. Beide streiten also untereinander, müssen jedoch in jedem Fall ihre Änderungen bei der Deutschen Bahn durchsetzen, sodass eine Diskussion zwischen drei Parteien entsteht. Bisher hat das Personal der Bahnen bereits sechsmal gestreikt und nachdem die Verhandlungen Ende November gescheitert sind, haben alle S-Bahn- oder Fernzug-Fahrer die Befürchtung, dass es noch nicht vorbei ist.

 

Simone Osterwald

Bildquelle: Jorges – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:S-Bahn_Berlin_Baureihe_481.jpg This picture is licenced under GNU Free Documentation License Version 1.2.

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