Katakana, Hiragana, Kanji – So schwer ist die japanische Zeichenschrift wirklich

Dass Japanisch eine komplizierte und schwer zu erlernende Sprache ist, wird wohl für niemanden neu sein. Sie wurde sogar vom Foreign Service Institute als die am schwersten zu erlernende Sprache für englische Muttersprachler aufgelistet.

Kein Wunder, dass auch Polyglotten, die sich an der japanischen Sprache versuchen, spätestens beim Erlernen der Schriftzeichen bitter scheitern. Denn gerade die Schrift macht die Sprache so unheimlich komplex.

Die japanische Schrift setzt sich aus den drei Zeichenschriften Kanji, Katakana und Hiragana zusammen. Dementsprechend weist ein typischer japanischer Satz Zeichen aller drei Schriften auf, denn jede Schrift wird für verschiedene Satzelemente verwendet. Die Kanji stellt dabei den diffizilsten Teil dar. Um sich den Umfang der Komplexität dieser vor Augen zu führen, hier ein kleiner Vergleich: Die Hiragana und Katakana, die sogenannten Silbenschriften, bestehen aus jeweils 50 Zeichen, die Kanji umfasst dagegen unglaubliche 15.000(!!!) Zeichen.  Aufgrund dessen lernen japanische Kinder bereits im Kindergarten die Grundlagen der Hiragana, da später in der Schule die Kanji gelehrt wird. Jedoch verlassen die jungen Erwachsenen die Schule nach zwölf Jahren mit einem Wissensumfang von „nur“ ca. 2100 Zeichen. Diese Anzahl ist nicht willkürlich, es handelt sich dabei nämlich um eine Liste, welche regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht wird. Dies erfolgt gemäß dem gegenwärtigen Sprachgebrauch, folglich werden Wörter, die wenig verwendet werden, von anderen Wörtern, die sich einer größeren Popularität erfreuen, ersetzt.

Wenn Schüler und Schülerinnen ihren Schulabschluss in der Tasche haben und dann im Anschluss z. Bsp. Medizin oder Jura studieren möchten, erfordert dies die Kenntnis von rund 1000 weiteren Zeichen, nur um die Fachterminologie zu verstehen. Hochgebildete Japaner beherrschen ca. 5000 Zeichen, was wirklich eine beachtliche Zahl darstellt.

Doch um den tatsächlichen Wissenstand der Japaner zu prüfen, wird dreimal jährlich die Bevölkerung befragt. Die aktuellsten Ergebnisse des sogenannten „Kanji Kantei“ zeigen, dass niemand auch nur annähernd alle Zeichen beherrscht, denn die höchste Stufe des Kanji Kantei umfasst die Kenntnis von 6000 Zeichen. Lediglich 85 Japaner von 741.377 haben diese Stufe erreicht.

Die Regierung ist deswegen stets darum bemüht, die Japaner auf verschiedenste Art und Weise zu motivieren, die Zeichen der Kanji zu lernen. Dem 21. Jahrhundert entsprechend, lernen sie fleißig auf ihrem Nintendo und ihrem Handy durch eine Vielzahl an Apps.

 

Vielleicht ist ja die Tatsache, dass die Japaner selbst an ihrer Sprache verzweifeln, ein kleiner Trost für alle Sprachbegeisterten!

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