Fortsetzungsgeschichte

Wie gelähmt stehe ich da und starre ihn an. Ein nicht zu bändigendes Gefühl des Hasses steigt in mir auf und ich spüre, wie sich mein ganzer Körper anspannt.                                                                             „Warum?“, schreie ich wütend. „Warum hast du mir meine beste Freundin genommen?“ Ich schlage mit den Fäusten gegen die Wand neben dem kleinen Fenster und gehe dann, wie in Trance, ein paar Schritte zurück. Zitternd und völlig entkräftet sinke ich zu Boden. Da liege ich nun, den Blick starr Richtung Fenster gerichtet und sowie mir die ersten Tränen über die Wange rollen, beginne ich an mir selbst zu zweifeln.

Hätte ich mich damals, als ich das Angebot für die Serie bekommen habe, anders entscheiden sollen? Hätte ich, um die Freundschaft mit Caro zu halten, die Rolle ablehnen sollen? Ist es richtig, Matt allein die Schuld zu geben, dass ich meine beste Freundin verloren habe?

Über diese Gedanken falle ich in einen tiefen Schlaf und als ich erwache, sehe ich eine Unebenheit in der Decke. Warum ist die mir nicht schon früher aufgefallen? War ich nur so auf den Fernseher fixiert? Plötzlich fällt mein Blick auf das Essen. Diesmal steht es in der Mitte des Raumes-nicht wie sonst vor dem Fernseher. Oh Mann, ich habe schon wieder nicht mitbekommen, wie das Essen gebracht wurde! Erneut überkommen mich Panikattacken und mein Herz beginnt zu rasen. „Jetzt nur nicht die Nerven verlieren“, sage ich laut zu mir selbst, um das Angstgefühl abzuschütteln.                                   Während ich versuche mich zu beruhigen, steigt mir der Duft von warmer Vanillesoße in die Nase. Als ich den Teller dann genauer betrachte, sehe ich es: Es gibt Apfelstrudel! Mein Lieblingsessen aus Kindertagen.

Nach dem Essen kauere ich mich in eine der Ecken und döse vor mich hin. Ich merke, wie mir die Lieder schwer werden und befürchte wieder einzuschlafen, noch vor Abholung des Tellers.

Kurz bevor ich endgültig in das Reich der Träume entschwinde, höre ich Schritte über mir. Sofort bin ich hellwach und es scheint, als seien nur die Seitenwände des Raumes schallgeschützt, denn es dringt ein aufgeregtes Gemurmel zu mir hinunter.

„Warum hast du das Essen nicht wie sonst auch durch das Fenster gebracht?“, fragte ein Mann. Es ist derselbe, den ich auch gehört hatte, als ich an Ivonnes Zimmertür lauschte!                                    „Weil sie es geschafft hat den Fernseher zu verschieben und da dachte ich, wir könnten ihr einen neuen Hinweis geben“, antwortet eine Frau.                                                                                                     „Das ist ja auch völlig in Ordnung. Aber die Luke nicht wieder richtig zu schließen und ihr so zu zeigen, dass es einen Ausweg geben muss, war ein Tipp zu viel, Caro! Wir haben eine halbe Ewigkeit gebraucht, um den Raum so zu präparieren und du willst ihr helfen einen Ausweg zu finden?“                                        „Sie war mal meine beste Freundin, Matt. Ich kann nicht einfach da sitzen und zusehen, wie sie langsam aber sicher daran zu Grunde geht, hier eingesperrt zu sein!“

Erst jetzt wird mir klar, dass ich meinem Entkommen näher bin als jemals zuvor und einfach nur auf mich aufmerksam machen müsste. Doch meine Kehle ist staubtrocken und ich bekomme keinen Ton hervor.                                                                                                                                                                                            Ich fange an bitterlich zu weinen, als ich realisiere, dass ich Caro immer noch wichtig bin und sie bereit ist, mich zu retten, auch wenn sie sich damit gegen Matt stellt.                                                                  Ich werde von dem lauten Knall der Luke aus meinen Gedanken gerissen und höre Matt sagen:                           „Deine Freundin wird leiden! Genauso wie du gelitten hast, als sie dich verlassen hat!“

Diese Worte treffen mich wie ein Stich ins Herz und ich bin augenblicklich wieder ganz alleine und zu Tode betrübt.

 


 

Norina Oelschläger

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