Fortsetzungsgeschichte

„Was steht da? Ich kann das nicht lesen. Was ist das für ein Buchstabe?“, fragte Jenny in die Runde und guckte wie so oft unheimlich blöd. „Meine Güte Jenny! Das ist in Druckbuchstaben geschrieben. Also entweder bist du auf beiden Augen blind oder einfach nur zu doof“, antwortete Frank überraschend scharf. Aber ich musste ihm wohl oder übel zustimmen. Ich hatte nun wirklich nicht unordentlich geschrieben und der Rest konnte es ja lesen. Angefangen bei Lewis der nur kurz die Augenbrauen gehoben hatte, bis zu Sunny, die wieder von Geistern und Dämonen faselte. Sie hatten alle nicht großartig auf die Nachricht reagiert, was mich irgendwie erstaunte.

Jenny gab mir meinen Block wieder, ohne die Wörter gelesen zu haben. Ich schaute auf das zerknitterte Papier und las noch einmal meine eigenen Zeilen: OBEN HAB ICH  SOWAS WIE EINE KUPPEL GESEHEN  CA. 1-2  KM ENTFERNT!  Lewis sah in die Runde. Neugierige, ängstliche oder erwartungsvolle Blicke schauten zurück. Dann fragte der Mann: „ Was machen wir jetzt?“  „ Wie wär’s  wenn wir uns die Kuppel einfach mal ansehen würden? Was soll schon groß passieren? Wenn hier Menschen sind wär das doch gut“, schlug Rose vor. „ Was wenn da Menschen sind, die uns dann gefangen nehmen?“, fragte Jenny unerwartet. „ Warum sollten uns welche gefangen nehmen? Was würde es denen bringen?“, antwortete Jack. „ Also ich würde es noch einmal überdenken. Ich meine was wenn wir dann in irgendetwas hinein geraten, was für uns den sicheren Tod bedeutet?“, zweifelte nun auch Alice. „ Als wären wir nicht schon in etwas hinein geraten. Und ob etwas den Tod bedeutet oder nicht, weiß man erst immer dann, wenn man soweit ist. Ist vielleicht keine schöne Vorstellung, aber stellt euch vor wir finden dort Hilfe“, antwortete Lewis. „ Ich finde wir sollten es mit der mysteriösen Kuppel versuchen. Ich meine wir haben es schon bis hierher geschafft, ohne großartige Zwischenfälle und das wichtigste, wir leben noch. Warum sollten wir es nicht versuchen?“  ich war überrascht von Jacks ehrlich klingenden Worten. „ Also ich werde gehen“, sagte Lewis. „ Wer noch?“ Zögernd hob Rose die Hand, dann Jack, Spencer, Frank und ich. Stan und Magnus tuschelten hinter vorgehaltenen Händen und hoben letztendlich auch die Hände. Letztendlich blieben nur noch Jenny, Alice und Sunny übrig. „Also ich geh da nicht mit. Wir haben bis jetzt nichts von irgendeinem anderen Menschen gesehen oder gehört. Und ich hab auch keine Lust einen kennen zu lernen. Wie es bis jetzt war, war es nicht unbedingt mein Lieblings Urlaub, aber es war okay so.“ Jennys ernste Worte erstaunten mich. „ Ich werde mit Jenny einen anderen Weg nach Hause suchen. Außerdem werden wir ohne euch Männer ganz gut alleine klar kommen“, meinte nun auch Alice. Sunny nickte. „ Ihr werdet es alleine nicht schaffen. Es ist viel zu gefährlich zu dritt. Kommt mit uns, nicht weil ihr wollt sondern weil ihr bessere Chancen aufs Überleben habt!“, versuchte Rose die drei zu überzeugen. Anscheinen war sie nicht ganz glücklich darüber, als einzig weibliche Person den Weg zur „Kuppel“ anzutreten. Und ich konnte sie nur zu gut verstehen. Allein zwischen fast wildfremden Männern im Urwald umher zu irren, ist nicht unbedingt das, was man sich als 16- jährige wünscht. Als die drei Frauen allerdings die Köpfe schüttelten, straffte Rose die Schultern und blieb mutig neben Spencer stehen. „ Wir können euch nicht dazu zwingen mitzukommen, aber bitte überlegt es euch nochmal. Es könnte der Weg hier raus sein.“ Lewis sah die drei an, doch die schüttelten geknickt den Kopf. „ Das heißt dann wohl nein“, sagte Lewis sanft. „ Ist das der Moment, wo wir lebe wohl sagen müssen?“, fragte Stan leise. „ Dann mal tschüss! Hat mich gefreut euch kennen zu lernen. Viel Glück“, sagte Alice und ihre zwei Anhängerinnen nicken, warten aber nicht auf eine Antwort unsererseits, sie drehten sich einfach um und stapften planlos in den Wald. Überrascht und ein wenig geschockt schauten wir den dreien hinterher. Jack fasste sich als erster. „ Simon, in welcher Richtung liegt deine „Kuppel“? Kannst du uns hin führen?“, fragte er mich. Ich nickte und gab den anderen ein Zeichen, dass wir uns auf den Weg machen würden.

Wir waren erst ein paar Minuten unterwegs, als ich einen spitzen Schrei. Blitzschnell drehen wir uns nach dem ungewöhnlichen Geräusch um. Stan hockt auf dem feuchten Waldboden und umklammert seinen  Knöchel. Neben ihm kniet ein besorgter Magnus, der leise auf ihn einspricht. „ Was ist passiert?“, fragte Spencer alarmiert. „ Eine Spinne… gebissen… tut verdammt weh…“, schnaufte Stan durch zusammen gebissenen Zähne. „ Sag mir wenn du Superkräfte entwickelst“, grinste Jack und Magnus sah ihn böse an. Ich verstand kein Wort. Jack bemerkte es und erklärte auch auf Roses fragenden Blick hin: „ Also es gibt da so eine Geschichte über einen Teenager, Peter Parker, der wird von einer mutierten Spinne gebissen und entwickelt Fähigkeiten, die auch diese ekligen Krabbelviecher hab. Also sowas wie Netze spinnen oder Wände hoch krabbeln und einen ‚Spinnensinn‘, der ihn vor Gefahren warnt. Ihr habt echt was verpasst meine lieben Freunde. Ich erzähl euch irgendwann die Geschichte vom berühmten Spiderman aber jetzt müssen wir uns um unseren guten alten Stanny kümmern. Frankie du kennst dich doch mit solchem Zeugs aus oder?“ „Allerdings“, antwortete Frank „ lass mal sehen.“  Frank besah sich Stans Fuß, machte zwischendurch Laute wie „ Mmh…“ , „Aha…“ und „ Ist ja interessant…“ „ Nun sag endlich, wird Stan wieder gesund?“, fragte Magnus und sah so aus, als befürchtete er das schlimmste. „ Keine Panik, Stan überlebt den Biss, obwohl ich sagen muss, dass ich auf das Äußerste überrascht bin. Denn dieser Biss stammt nicht von irgendeiner Fusselspinne aus einer Zimmerecke, sondern von einer sehr kleinen, aber  hochgiftigen Spinne. Ich kenne diese Biss Spur sehr gut: Als ich in meiner Jugend an einem Lazarett in Asien stationiert war, gab es ein paar Planänderungen. Ich wurde für bestimmte Vorsichtsmaßnahmen innerhalb des Lagers geschult, zu meiner eigenen Sicherheit. Es gab in Asien viele veränderte Krabbeltiere, durch Labore oder irgendwelche Verstrahlungen, was weiß ich. Jedenfalls gab es in den Tropen so ne Spinne, die genmutiert war. Anpassungsfähig wie sonst was: könnte schwimmen und extrem hohe Temperaturen aushalten. Jedenfalls hatte dieses Vieh statt den normalen zwei kleinen Zähnen verdammte Vier. Heißt so viel wie doppelte Menge Gift und halb so kurze Sterbedauer. Wirkt innerhalb von Minuten dieses Teufelszeug. Und Jack bevor du wieder mit deinem Superhelden- Gefasel anfängst, muss ich dich leider enttäuschen, denn plötzliches Herzversagen gehört keiner Kategorie von Heldenkräften an. Naja, ich glaube, dass du von so einer gebissen wurdest. Obwohl ich keine Ahnung hab wie diese Biester hergekommen sind, wahrscheinlich geschwommen oder so. Interessiert ja auch keinen, jedenfalls hast du die Bisswunde mit den vier Einstichlöchern. Komischerweise reagierst du nicht darauf. Und es kann auch keine andere Spinne gewesen sein, die würden hier nicht überleben und meines Wissens nach gibt es auch keine andere Spinne mit vier Beißern. Aber es gibt uns einen kleinen Tipp, um zu erfahren wo wir eigentlich sind. Ich meine zu behaupten, dass es in Asien kälter geworden ist, also sind die Viecher abgehauen, ins warme Europa vielleicht. Denn es gibt eins was die hassen: Kälte. Einmal an eine hohe Temperatur gewohnt, können die in immer heißere Regionen krabbeln, aber sobald es einmal kälter ist als diese Temperatur, gehen die Spinnen ein. Also sind wir entweder in Europa, was ich nicht glaube, da wir sonst schon irgendwo in der Zivilisation wären oder Südamerika, was eher zutrifft. Aber du hast eine besondere Fähigkeit, Stan, du wirst das hier überleben.“ Ich wusste gar nicht, dass Frank so viel reden kann. Ich war echte erleichtert das zu hören, genau wie der Rest. „Hab ich es dir nicht gesagt? Stan ist unser kleiner Überlebenskünstler“, flüsterte Jack mir ins Ohr, sodass nur ich es hören konnte. „ Wie fühlst du dich?“, fragte Magnus Stan, der zwar noch ein bisschen  blass um die Nase war, aber sich lächelnd von seinem Partner auf die Füße ziehen ließ.

Nach kurzer Zeit hatte sich die Gruppe wieder gesammelt und alle stapften hinter mir her durch das Unterholz. Geredet wurde wie immer eigentlich nicht. Eine halbe Stunde verging und dann sahen wir es: Eine Mauer, um die 9-10 Meter hoch, aus grauem Beton und leicht gewölbt, als würde sie einen Kreis bilden. „ Ähm… was machen wir jetzt?“, fragte Jack. Keine Antwort. Nur ein leises „ Oh…die ist aber hoch…“ von Magnus.

 

 

Hannah Pooch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.