Die schwedische Schule

Der schwedische Unterrichtsminister, Jan Björklund, ist der Wortführer der Volkspartei: Eine Partei mit der Schule als Herzenssache. Die Partei war seit acht Jahren in der Regierung. Also ist es ein bisschen peinlich, dass PISA zeigt, dass die schwedischen Schüler in Durchschnitt schlechter als früher sind. Anstatt über dem Durchschnitt zu liegen, liegen sie jetzt darunter. Es wird hingegen behauptet, dass das Nachbarland Finnland die beste Schule der Welt habe.

Aber wie funktioniert das Schulsystem? Die Schule beginnt, wenn die Kinder 6-7 Jahre alt sind. Davor können sie in Kitas gehen, aber das ist nicht verpflichtend. Die schwedische Grundschule dauert neun Jahre und danach folgt ein freiwilliges, aber oft notwendiges, Gymnasium unter drei Jahre. Jede Klasse hat die ersten sechs Jahre einen eigenen Lehrer und ein eigenes Klassenzimmer, und ab dem siebten Jahr kriegen sie verschiedene Fachlehrer mit verschiedenen Klassenzimmern, aber die Klassen haben immer noch „Klassenmentoren“,  an die sie sich wenden können. Englisch fängt in der ersten Klasse an und ist unter der ganzen Grundschule und teils des Gymnasiums verpflichtend. Das System mit Sekundarschulen und Gymnasien gibt es nicht.

Nach dem neunten Jahr kann man, wie gesagt, auf ein Gymnasium gehen. Man darf dann  eine besondere Einrichtung, ein Programm, wählen, das einige Extrakurse, außer den grundlegenden,  beinhaltet. Einige Beispiele der Programme sind Gesellschaftswissenschaft, Bau- und Anlege, Naturwissenschaften und Restaurant- und Lebensmittel. Außerdem darf man einige Extrakurse individuell wählen; z.B. Leichtathletik und Gesundheit, Psychologie oder Kochkenntnis. Programme werden in berufsvorbereitende und hochschulvorbereitende Programme eingeteilt. Diejenigen, die hochschulvorbereitende Programme belegen, gehen oft danach auf eine Universität, während die anderen, die berufsvorbereitende Kurse gewählt haben, mit dem Berufsleben beginnen.

Einer der bemerkenswertesten Unterschiede ist die Länge des Unterrichts. Eine schwedische Lektion ist nicht 45 oder 90 Minuten lang; es variiert von 40 Minuten zu, selten,  zwei und eine halbe Stunde. Die ersten drei bis sechs Jahre ist der Stundenplan recht gleichmäßig auf alle Tage der Woche verteilt. Später variieren die Stundenpläne je nach Klasse. Die Pausen sind dieselben.

Ein anderer Unterschied ist, dass die Schulen in Schweden und Finnland, den Schülern gratis Schulessen geben müssen. Sie sind die einzigen Länder, die das tun. Einige Gymnasien bieten Programme an, den Führerschein zu machen. Andere Schulen geben den Schülern einen Schulcomputer, den  der Schüler benutzen darf, und, wenn der Schüler will, nach der Schule für 50-100 € loskaufen kann. Dieser Text ist auf einem solchen Computer geschrieben, mit dem von Schweden gefolgt hat (… der mir von Schweden gefolgt ist). Mein schwedisches Gymnasium hat ein oft gratis zu benutzendes Fitness Studio und eine immer gratis zu benutzende Sauna. Das Fitness Studio habe ich vielmals, wenn ich  eine zwei Stunde Pause gehabt hat, benutzt.

Eine andere Sache, die es in der ganzen Gesellschaft gibt, ist, dass die Schüler die Lehrer nicht siezen. Haben wir einen Lehrer, der Urban Amrén heißt, nennen wir ihn nicht „Herr Amrén”. Er würde wahrscheinlich lachen. Stattdessen sagen wir „Urban” oder nur „Ubbe”. Ein Schüler, der ernsthaft das Personal „Sie“ oder den Nachname nennen würde, würden die meisten denken, dass dies spöttisch gemeint wäre. Ich lächele darum, wenn ich jemanden „Herr” oder „Frau” zu einem Lehrer oder einer Lehrerin sagen höre.

-Von Egil

Egil ist ein schwedischer Austauschschüler und hat diesen Text verfasst. Es wurden nur einzelne Passagen ergänzt, wo etwas nicht ganz verständlich war.

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