3-D gibt’s nur im Kino? Denkste!

Was wird man zu hören bekommen, wenn man heute jemanden fragt, was er oder sie mit dem Wort „Ausdruck“ verbindet? „Ein von Computerhand beschriebenes oder bemaltes Blatt Papier“, lautete eine Möglichkeit – aber auch ein unschönes Schimpfwort könnte erklingen. Zukünftig jedoch, womöglich nur wenige Jahrzehnte später, könnte zumindest die erste dieser Antworten als veraltet gelten, denn:
Jenen Druckern, die lediglich mit ein wenig Tinte ein zusammengepresstes Gemisch aus vorwiegend Pflanzenfasern beklecksen, könnte von deren Nachfolgern in puncto Benutzungshäufigkeit und Popularität der Rang abgelaufen worden sein.

Die Rede ist von 3-D-Druckern. Was dereinst für die Herstellung von meist aufwendigen und komplexen Prototypen der Elite von Wissenschaft und Unternehmen vorbehalten war, nimmt bereits massentaugliche Formen an. Nike zum Beispiel brachte letztes Jahr einen mittels „additiver Fertigung“ (so der von Experten bevorzugte Begriff) produzierten Footballschuh auf den Markt, der dem Sportler unter anderem eine größere Beweglichkeit erlaube. Auch Mode kann gedruckt werden; die Niederländerin Iris van Herpen gilt als Pionierin auf diesem Gebiet.

Darüber hinaus profitiert die Medizin vom dreidimensionalem Druck: Zahnkronen, Hüftprothesen, gar Herzklappen werden zunehmend nicht mehr konventionell gefertigt, sondern mittels 3-D-Druckverfahren individuell hergestellt, was das Risiko möglicher Folgeschäden bei einem Menschen reduziert, dem eines dieser Implantate eingesetzt wird.

Natürlich vermutet man zu Recht, dass all dies nicht mit jedermanns Geldbeutel vereinbar ist. Doch mit dem Aufschwung, der immer häufigeren Verwendung von 3-D-Druckern, wird sich – so sagen Sachkundige voraus – das ändern, und zwar dann, wenn die Idee der additiven Fertigung auch bei Krankenversicherungen angekommen ist.

Wie so oft der Fall, zieren all diese Aspekte natürlich nur eine Seite der Medaille. Es stehen nämlich etliche Fragen im Raum, die – trotz ihrer Bedeutsamkeit – noch nicht beantwortet worden sind:

  • Was geschieht mit dem Urheber- und Patentrecht, wenn in einigen Jahrzehnten jede Familie ihren eigenen 3-D-Drucker im Keller zu stehen hat und via Internet über die Baupläne einer normalerweise teuren dekorativen Vase, einer Markensonnenbrille oder – das beunruhigstende Beispiel – von Schusswaffen verfügt?
  • Wie entwickelt sich die Weltwirtschaft, wenn Produktionsstätten dem Konsumenten durch den 3-D-Druck vor Ort um ein Vielfaches näher ist als derzeit der Fall (man ziehe z.B. in China zusammengeschraubte und von uns in Deutschland genutzte Handys zum Vergleich heran)?
  • Wie viele Arbeitsplätze werden verloren gehen, wird dies kompensiert werden können und inwieweit resultieren daraus tiefgehende Änderungen unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems?

Es gilt, aufgrund ihres immensen Potenzials, der Technik des 3-D-Drucks grundsätzlich offen gegenüberzustehen. Dennoch ist es für Wirtschaft und Politik überaus wichtig, sich so früh wie möglich mit u.a. den oben genannten Fragen zu beschäftigen. Es ist schließlich unerlässlich, sich auf die etwaige nächste industrielle Revolution vorzubereiten – damit ihre Auswirkungen weniger fatal ausfallen als die, die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen.
Tim

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